Hamburger Taxenverband e.V.

Offener Brief an Senatoren Neumann und Horch wg. Verkehrs-Zusammenbruch

Der HTV hat einen "Offenen Brief" an die beiden Senatoren Neumann (Inneres) und Horch (Verkehr) geschickt. Anlaß ist der gestrige Zusammenbruch des Verkehrs in vielen Hamburger Quartieren. Dieser Zusammenbruch des Verkehrs war eine Folge von verfrühten Vollsperrungen mehrerer Straßen für die Marathon-Veranstaltungen an diesem Wochenende. Die ungewöhnliche Doppeladressierung des "Offenen Briefes" hat als Hintergrund den etwas speziellen Ressortzuschnitt im Hamburger Senat. Sowohl für Verkehrspolitik also auch Taxipolitik haben beide Behörden jeweils Zuständigkeiten.

 

 

An

Senator Michael Neumann

- persönlich -

Behörde für Inneres und Sport


Johanniswall 4


20095 Hamburg




An

Senator Frank Horch

 - persönlich -

Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation

 

Alter Steinweg 4
20459 Hamburg



 

 

Offener Brief eines Taxifahrers an die Hamburger Senatoren Michael Neumann (Inneres) und Frank Horch (Verkehr)

 

 

Ich habe mich für meine Heimatstadt geschämt wie schon lange nicht mehr

 

 

Sehr geehrter Herr Senator Neumann,

sehr geehrter Herr Senator Horch,

 

eigentlich gibt es Grund zur Freude: International beachtete Veranstaltungen wie der Haspa-Marathon am Wochenende locken Zehntausende Besucher von Außerhalb nach Hamburg, und wir Taxifahrer haben mit den Musical-Touristen, den Reeperbahn-Bummlern und jetzt auch noch den Marathon-Besuchern zusätzliche Kundschaft. Die Hamburger Gäste dürfen wir vorher in die Restaurants fahren und später zurück in die Hotels. Dazu scheint endlich die Sonne, und bald zeigt sich Hamburg als „Grünste Stadt Europas“ von der schönsten Seite. Man könnte stolz sein.

 

Wenn da nicht der mangelhafte Verkehrsfluss und die ständigen Staus in der Stadt wären, und eine flächige Ampelschaltung, bei der man häufig von einer roten Ampel zur nächsten roten Ampel fährt. Viele auswärtige Besucher wundern sich, dass in Hamburg „Grüne Welle“ so gut wie gar nicht funktioniert, das kennen viele von ihren Städten anders. Der Navigationshersteller TomTom hat vor kurzem die Daten von Millionen seiner Geräte ausgewertet und Hamburg zur „Stauhauptstadt“ in Deutschland erklärt.

 

Aber das, was die Hamburger Polizeibeamten am letzten Freitag in der Neustadt und in St. Pauli, also rund um das Messegelände und den Dom an Megastau verbockt haben, das habe ich, in dreißig Jahren des Autofahrens in Hamburg, noch nicht erlebt. Der Verkehrsfluss ist regelrecht zusammengebrochen, und ich habe mich für meine Heimatstadt geschämt wie schon lange nicht mehr.

 

Warum ich mich schämte, will ich Ihnen gerne erklären: Ich habe am Freitag Nachmittag einen Tour zu fahren gehabt vom „Hotel Mövenpick“ (Sternschanze) zum Hotel „SAS Radisson Blu“ (Dammtor). Eine kurze Strecke, genau eine S-Bahn-Station weit, normalerweise eine Sache von wenigen Minuten. Der Fahrgast war ein auswärtiger Besucher, aus Norwegen, samt weiblicher Begleitung. Ein Teilnehmer am Marathon. Ein Rollstuhlfahrer. Für die Fahrt, die normalerweise wenige Minuten dauert, brauchten wir über eine Stunde, weil die Polizeibeamten für eine Veranstaltung am Samstag und am Sonntag schon am Freitag Vormittag diverse Straßen rund um das Messegelände vollständig gesperrt hatten statt erst nach der Rushhour in den Abendstunden und den Nächten. Nach zwei drittel der Fahrt quälte sich mein gehandicapter Fahrgast, er konnte nicht mehr richtig sitzen im Taxi. Am Ende stellt sich in der Tiefgarage des CCH/Radisson auch noch heraus, dass dort kein rollstuhlgerechter Zugang vorhanden ist und somit erst Treppen zu überwinden waren, um zu einem Fahrstuhl zu gelangen.

 

So sollte man Gäste nicht behandeln. Ich habe mich lange nicht mehr so für meine Stadt geschämt wie bei dieser Taxitour.

 

Einen Hinweis kann ich Herr Senator Neumann nicht ersparen: Angesprochen auf die Abwesenheit von Polizeibeamten während dieses vollständigen Verkehrszusammenbruches antwortete ein Mitarbeiter des Notrufes 110: Seines Wissens habe die zuständige Wache rechtzeitig Warnschilder aufgestellt, und man habe auch gar nicht genügend Polizeibeamte für eine umfassende Verkehrsregelung vor Ort. Es ist, und vielleicht können Sie das in nächster Zeit ihren Mitarbeitern noch einmal verdeutlichen, nicht die primäre Aufgabe der Hamburger Polizei, Schilder aufzustellen. Primäre Aufgabe sollte erst einmal die Sicherstellung des Verkehrsflusses sein, zumal in der Innenstadt, wo man schlecht ausweichen kann. Und sie sollten, als zuständiger Senator, dafür Sorge tragen, dass nur soviel Veranstaltungen in Hamburg stattfinden, dass Sie mit Ihrem Personal die Funktionsfähigkeit der Stadt garantieren können.

 

Damit man sich vor den Hamburg-Besuchern nicht schämen muss ob so viel organisierter Verantwortungslosigkeit.

 

 

 

Mit freundlichem Gruß

 

 

Clemens Grün

2. Vorsitzender HTV – Hamburger Taxenverband e.V.


 

P.S. Die mehr als einstündige Taxitour hat einen Brutto-Erlös von € 11,20 erbracht. Das ist der Hamburger Besonderheit zu verdanken, dass wir Taxifahrer für die verbrauchte Zeit so gut wie nichts bekommen (nur 2% der Taxierlöse sind in Hamburg zeitbedingt). Das Taxameter bleibt bei jedem Stillstand erst einmal eine ganze Minute stehen. Einen Meter vor, und die nächsten kostenlosen 60 Sekunden beginnen – die ganze Tour lang. Wenn Sie, werte Senatoren Neumann und Horch, demnächst zusammen mit Ihren Senatskollegen erneut über die Taxipreise entscheiden (die werden vom Senat verordnet), können Sie ja mal an uns denken: Entweder Bezahlung während der Stauzeiten (wie in fast allen anderen deutschen Städten auch, dann klappt das künftig auch mit den € 8,50 Stundenlohn für Taxifahrer), oder eine funktionierende „Grüne Welle“ und keine polizeiliche Organisation von Verkehrs­zusammenbrüchen. Dürfen wir Hamburger Taxifahrer auf Ihre Unterstützung hoffen?

 

 

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